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Biere der Welt

 

 

Bier - zwischen Grundnahrungsmittel, Lebenselixir, und Plörre - eine Übersicht

 

 

 

Internationale Biere


Die Welt hat biertechnisch extrem viel zu bieten. Das deutsche Reinheitsgebot ist ein Exportschlager. Jedoch gibt es auch ohne, oder vielleicht auch gerade wegen fehlender Beschränkungen eine Vielfalt an Bieren, die hier zu Lande einfach nicht zu brauen sind. Dies stellt meiner Meinung nach eine ungeheure Bereicherung dar. Denn Stile, die hier nicht bekannt oder bedeutungslos sind, warten nur darauf, entdeckt und getrunken zu werden.

 

Schon knapp hinter der Landesgrenze in Belgien geht es los mit einer Vielfalt an Bieren die seines Gleichen sucht. Nirgendwo sonst auf der Welt ist die Bierlandschaft so vielfältig und abwechslungsreich wie bei unserem kleinen, westlichen Nachbarn. Etwa 1000 verschiedene Biervarianten werden im Land produziert. Seit November 2016 ist das Belgische Bier sogar von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt. Und da fängt es ja erst an. Besonders in den USA hat sich in den letzten Jahrzehnten eine sehr lebhafte, kreative Industrie von Klein- und Mikro-Brauereien etabliert. Es hat sich eine eigene Bewegung unter Konsumenten gegründet die sich das Motto: ‚Support your local brewer‘, zu Deutsch: ‚Unterstütze deinen örtlichen Braumeister‘ auf die Fahnen schreiben.

 

ALE

 

Das britischste aller Biere. Allein beim Klang des Wortes breitet sich vor dem inneren Auge sofort das Interieur eines dunklen englischen Pubs aus, wo man aus großen goldenen Hähnen ein abgestrichenes Halbliterglas, das übliche Pint bekommt. Möglichst voll, mit möglichst wenig Schaum. Doch Ale ist weit mehr als das. Vor dem 15. Jahrhundert bezeichnete der Begriff „Ale“ ausschließlich ungehopfte Biere. Mit der Ausnahme von Porter und Stout bezeichnet man in Großbritannien immer noch alle einheimischen obergärigen Biersorten als Ale. Das Brauen von Ale war also ein britisches Ding. Während der Kolonialzeit breitete es sich mit den Schiffen von England aus und hat sich auch in den USA und Australien fest etabliert. Heute haben diese Länder eigenständige Traditionen der Ale-Brauerei.
Generell unterscheidet man zwischen mildem Ale und Bitter. Mild Ale weist eine helle Farbe auf und ist, wie der Name schon sagt, weniger bitter und fast süß. Bitter ist eine klassische, mit geringem Alkohol- und Stammwürzegehalt versehene Bierspezialität. Bitter ist in Großbrittanien weiter verbreitet als die milde Variante. Getrunken wird es aus dem klassischen Pintglas. Weitere interessante Ale-Varianten sind Amber-, Golden-, Scottish- und Irish Ale. UND natürlich das heute aus der Craftbeer-Szene nicht wegzudenkende IPA, das India Pale Ale.

 

PALE ALE


Hierbei handelt es sich um einen Bruder des Bitters, jedoch mit höherem Stammwürzegehalt und weniger gehopft. Das Pale Ale ist hierzulande ein typisches Flaschenbier. In Australien hingegen gibt es in fast jedem Pub eins vom Fass. Es ist von der Farbe her bronzefarben bis rot und ist einfach süffig, wenn auch leicht süßlich. Mein absoluter Liebling ist das ‚Little Creatures Pale Ale‘, welches in Perth, Melbourne und Sydney in Brauhallen gebraut wird, die einem alten Markt mit Industrie-Charme ähneln. Köstlicher Stoff!

 

Passt perfekt zu Salaten mit Meeresfrüchten oder gebratenem Geflügel.

 

BROWN ALE


Brown Ale hat, wie der Name schon verrät, eine tiefbraune Farbe. Es hat einen höheren Malzanteil und höheren Stammwürzgehalt als gewöhnliches Ale. Dadurch natürlich auch einen höheren Alkoholgehalt als gewöhnliche Ales und schmeckt deutlich malziger. Geht gut zu Wildgeflügel, Hasenbraten. Wildkeule, zart-würzigen Schnittkäsen.

 

OLD ALE


Old Ale ist ein Brown Ale, dass sich durch die Reifedauer vom Rest seiner Familie unterscheidet. Nach meiner Erfahrung ist es dunkler in der Farbe und schmeckt immer recht malzig-süßlich.

 

Super zu Kaasspatzen mit Gryere,  Wild (geschmort oder gebraten), gereifterem Schnittkäse. 

 

IPA - INDIA PALE ALE


IPA und Craftbeer gehören zusammen wie Hopfen und Malz. Und vor Allem von ersterem, dem Hopfen, hat das IPA enorm viel. Das India Pale Ales wurde Anfang des 18. Jahrhunderts in England für die indischen Kolonien gebraut. Um die lange Seefahrt zu überstehen, wurde das Bier mit einer hohen Stammwürze eingebraut und zusätzlich mit einer großen Menge an Hopfen versetzt. Die intensiven Bitterstoffe gaben dem IPA ein längeres Leben, was für die Überfahrt unerlässlich war. Eigentlich sollte diese Art von Bier in Indien dann mit Wasser gestreckt werden, allerdings war das selten der Fall, da es durch den hohen Hopfengehalt und den charakteristischen, fruchtigen Geschmack einfach doch zu lecker war. Dieser fruchtige Geschmack kommt vor allem von einer bestimmten Brautechnik. Hier wird dem eigentlich schon fertigen Bier, also nach dem Brauen, zur Lagerung noch ein Sack mit frischem Hopfen beigefügt. Hopfen-stopfen nennt man das. Dadurch dass dieser Hopfen nicht mehr erhitzt wird, lösen sich durch den bereits enthaltenen Alkohol besonders die fruchtigen Aromen des Hopfens. Durch die hohen Temperaturen beim einkochen der Maische werden diese sonst zerstört.  

 

Passt vorzüglich zu Curries, Tajins und DimSims mit süß-saurer Flusskrebsfüllung. Zu fruchtig-salzigem Hartkäse auch ein Fest!

 

PORTER & STOUT


Das Porter begann seinen Siegeszug im 18. Jahrhundert in London und ist benannt nach den damaligen Lastenträgern (engl. „Porter“). Denn vor allem bei diesem hart arbeitenden Teil der Gesellschaft erfreute sich das starke, nah-hafte Bier großer Beliebtheit. Das dunkle Porter-Bier besitzt mit 16° Plato einen hohen Anteil an Hopfen und Malz. Gilt also hierzulande als Starkbier. Es erhält seinen kräftigen Geschmack mit der feinherben Hopfennote während einer ausgiebigen Reifezeit.Mitte des 19. Jahrhunderts war auch in Deutschland eine Version des englischen Porters weit verbreitet. Denn die obergärige Bierspezialität eignete sich durch den hohen Hopfen- und Stammwürzgehalt und die daraus resultierende Haltbarkeit hervorragend als Reiseproviant. Der feine Schaum erinnert an die heute noch weiter verbreiteten Stoutbiere, eine Variante die sich aus dem Porter entwickelte. Stout mag den meisten Leuten wenig sagen, aber das irische Guinness kennt jeder. Guinness ist ein sogenanntes Dry Stout und hat dieser Biersorte zu weltweitem Ruhm verholfen. Stouts sind Biere mit wenig Hopfenbittere und dafür starkem, malzigen Röstgeschmack. Es gibt einige Unterarten von Stout. Das bekannteste ist wohl das Imperial Stout. Diese Variante enthält einen noch höheren Anteil an Röstmalzen und wurde ursprünglich vom englischen Königshof als Geschenk für Katharina die Große gebraut. Um gut Wetter zu machen. Daneben gibt es aber auch Chocolate Stout, Coffee Stout, Sweet Stout. Out-meal Stout und Porter-Stout. Die Hochburg der Stout-Variationen sind heutzutage die USA.

 

Eignet sich in Kombination gut zu Geschmortem, aber auch zu Taijins und Geschichten wie geröstetem Brotsalat. Zu kuchigen Desserts mit Nüssen und hellem Karamell glänzen Porter und Stout. Auch zur Zigarre können diese Biere durchaus begeistern.


BARLEYWINE


Ein weiteres Hervorbringnis der historisch gewachsenen Bierkultur. Zur Zeit Napoleons empfanden es die Engländer nämlich als unpatriotisch, französischen Wein zu trinken. Da sie aber auf ein Getränk wie Wein nicht verzichten wollten, erfanden sie den Barley Wine. Es entstand ein Rotbraunes Ale mit hohem Alkoholgehalt (9-15 vol%). Der Geschmack variiert enorm von extrem gehopft bis null gehopft. Von sehr trocken, spritzig und säuerlich-herb, bis super-süß, cremig und üppig-geschmeidig. Ähnlich weit ist das Aromenspektrum. Von Hefe, grünen Äpfeln, und roten Beeren über Zitruszesten und herbe Kräuter bis hin zu Trockenfrüchten, Karamell und Toffee.

 

Je nach Ausprägung, eignet es sich vorzüglich als Aperitif oder Begleitung zum Dessert.

 

TRAPPISTENBIERE


Das wohl leckerste Überbleibsel aus dem Mittelalter. Es sind Starkbiere aus Belgien, die auch heute noch zwingend von Trappistenmönchen im Kloster gebraut werden müssen. Der Vergleich zu Bock- und Doppelbockbieren ist durchaus angebracht, da die Zutaten und Brauprozesse weitestgehend identisch sind. Allerdings gibt es weitere Variationen wie Tripple- oder Quadripple. Die die belgischen Trapistenbiere einzigartig machen. Folgende Trappistenklöster gibt es heute noch in Belgien, die kommerziell produzieren: Orval, Rochefort, Westmalle, Westvleteren und Chimay. Die Variationsbreite bei den Bieren bietet auch in der Kombination mit Speisen eine große Vielfalt.

 

Ein  Doubble zum Bespiel kann man herbvorragend mit gebratenem Welsfilet und Rotebeeterisotto kombinieren. Ein Tripple zu geschmorten Ochsenbäckchen und ein Quadripple zu gut-gereiften Blauschimmelkäsen oder Schokofondant.

 

LAMBIC/GEUZE


Bei der Herstellung dieser belgischen Brauspezialität werden wilde Hefen eingesetzt. Außerdem wird ein Anteil Rohweizen hinzugegeben. Auf diese Weise entsteht ein weinähnliches Bier. Wenn natürliche Kohlensäure hinzugefügt wird erhält man einen anderen berühmten Bierstil – die Geuze. Häufig werden beim Gärprozess Früchte beigefügt. Dadurch entsteht eine äußerst erfrischende Variante, die eher wie eine trockene, alkoholreiche Fruchtlimo daherkommt. Es gibt die Geschmacksrichtungen Kirsch (Kriek Lambic), Himbeere (Framboise Lambic) aber auch Ananas, Banane und Pfirsich.

 

Im allgemeinen eignet es sich dadurch als Aperitif, als Filler für Longdrinks und Cocktails und als Begleitung zu Ziegenkäsen und frischen Desserts.


 

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